Alltagsbegleiterinnen runden das Angebot im Haus St. Johann ab
TETTNANG - Das Haus St. Johann bietet seit Juli dieses Jahres das Zusatzprogramm der Alltagsbetreuung für 34 an Demenz erkrankten Bewohnern an. Für diesen Dienst wurden vier Mitarbeiterinnen aus dem Haus gewählt, die bereits in der Pflege oder in der Beschäftigung tätig sind. Möglich machte diesen Dienst § 87 b SGB XI, wonach pflegebedürftige Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen eine zusätzliche Betreuung erfahren sollen.
Demenziell erkrankte Bewohner erhalten besondere Zuwendung
Während bei den bereits bestehenden Beschäftigungsangeboten des Hauses der Schwerpunkt mehr auf die Gruppenarbeit gelegt wird, soll bei der Alltagsbetreuung der Fokus gezielt auf den einzelnen Bewohner gerichtet und die Angebote der jeweiligen Situation angepasst werden. Die Arbeit mit Kleingruppen soll sich aber dennoch entwickeln. "Wir richten unsere Angebote nach den Alltagsgewohnheiten des jeweiligen Bewohners aus", sagt Gabi Drescher, eine der vier Betreuerinnen. "Momentan sammeln wir Erfahrungen und probieren verschiedene Angebote aus. Hilfreich ist, dass wir alle bereits eigene Gewohnheiten und Wünsche der Patienten kennen."
Erinnerungen stimulieren
Auf der Terrasse des Hauses leuchten dem Betrachter frisch gepflanzte Blumen entgegen. Die Betreuerin Lissy Sprenger schildert, dass sie diese mit Frau Maier* gekauft und eingepflanzt habe, deren Hobby schon immer die Arbeit im Garten war. Frau Maier fügt hinzu, dass diese Arbeit ihr früher über so manchen Schmerz hinweggeholfen habe. Ähnliche Formen der Problembewältigung sind auch bei anderen Bewohnern präsent. Betreuerin Tanja Kathan weiß, dass Herr Huber* gerne in die Kapelle geht. Dort, so hat er ihr erklärt, würde er für seine verstorbene Frau beten, für die er noch etwas gut zu machen habe. Beim Besuch auf dem Bauernhof hat sich die sonst in sich zurückgezogene Bewohnerin Frau Diebold* eine ganze Weile mit dem Bauern in ein Fachgespräch über Milchkuhhaltung vertieft. Ganz nebenbei hat sie noch festgestellt, dass die Katze Nachwuchs bekommt.
Vertrautes pflegen
Die Reaktionen und Regungen der Bewohner bei vertrauten Aktivitäten wie dem Gang durch die vertraute Stadt, dem Bummeln vorbei an den Marktständen und dem Kaufen des Eises in der Lieblings-Eisdiele sowie die spontanen Begegnungen mit ehemaligen Freunden und Bekannten in der Stadt, machen den Betreuerinnen die Bedeutung ihres Dienstes immer wieder klar. Auch ein Entspannungsbad, das sie anbieten, bewirkt bei manchem Bewohner, dass er sich fallen lassen kann. Die basale Stimulation dient ebenfalls der Entspannung der Bewohner. Nicht zuletzt ist die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme eine wichtige Hilfestellung im Alltag. Aus Sicht der Angehörigen erfährt die individuelle Zuwendung und Beschäftigung mit der nahestehenden Person eine besondere Wertschätzung.
Stündlicher Neuanfang
Bei all ihren Erfolgen wissen die Alltagsbegleiter aber auch um die Grenzen ihrer Tätigkeit: Frau Maier weiß beim Besuch ihres Mannes nicht mehr, dass sie die Blumen selbst gepflanzt hat. Wie oft im Dienst am demenziell Erkrankten, haben die Mitarbeiter kaum "Festes", kaum "Beständiges" in der Hand. Alles muss wieder neu ausprobiert und gemacht werden. "Wir beginnen stündlich von Neuem", sagt Gabi Drescher.
* Namen von der Redaktion geändert
Norbert Schuster, erstellt am 27.10.2009
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Demenziell erkrankte Bewohner erhalten im Haus St. Johann besondere Zuwendung.
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