Clown-Duo "Gaganauten" im Altenpflegeheim St. Meinrad
RAVENSBURG – Eine willkommene Abwechslung bringen die "Gaganauten" alias Konstanze Steckenreuter und Erich Baumann auf die Wohngruppe demenziell erkrankter Menschen ins Haus St. Meinrad der Liebenau – Leben im Alter (Stiftung Liebenau) nach Ravensburg. Vier Mal im Jahr begegnen die beiden Clowns den Menschen im Haus mit Humor, mit einem lieben Wort oder einfach mit einem Händedruck.
Waren alle nett zu dir?
"Guten Morgen. Hast du gut geschlafen? Waren alle nett zu dir?" Clown Bebelinchen, geschmückt mit lila Federboa, roter Nase und Blume im Haar geht auf die demenziell erkrankten Bewohner im Altenpflegeheim zu und scheint mit ihrer unkomplizierten, offenen Art einen direkten Zugang zu ihren Herzen zu finden. Sie schält sich aus ihrem Chanel-Jäckchen und zieht es einer Seniorin über. Eine andere freut sich über die Federboa und eine Dritte fächelt sich Luft mit einem gefiederten, rosa Fächer zu. Manche singen fröhlich mit, als Bebelinchen zusammen mit ihrem Partner Dr. Enrico ein Lied anstimmt. Zumindest ein Lächeln huscht über jedes Gesicht, wenn die "Gaganauten" in ihre humorvolle Trickkiste greifen.
Clowns stellen keine Forderungen
"Unser Ziel ist es, mit Körper, Gesang und Humor die Herzen zu öffnen", sagt Konstanze Steckenreuter zum Konzept des Clown-Duos "Gaganauten". Mit ihrem kleinen Akkordeon spielt sie fröhlich auf oder schlägt von Fall zu Fall auch mal ganz leise Töne an. "Wir bringen als Clowns einerseits Humor mit, und wir nehmen die Leute genauso wie sie sind, ohne irgendwelche Forderungen an sie zu stellen", erklärt Erich Baumann, der hauptberuflich in der Gerontopsychiatrie tätig ist. Das gebe den Menschen Kraft und Mut. "Deutlich spüren wir, wie diese Kraft auch wieder zurückkommt." Diese Sprache ohne Worte sei in dem Augenblick nicht mehr und nicht weniger als ein Geschenk.
Ein Lied und eine Portion Zuwendung
Begleitet von Betreuungsfachkraft Elke Andris statten Bebelinchen und Dr. Enrico auch den Bewohnern einen Besuch ab, die im Moment ihr Zimmer nicht verlassen wollen oder können. Kurz gibt Elke Andris an der Tür ein paar Informationen aus der Biografie der Bewohner. Eine Seniorin hat zum Beispiel immer gerne gesungen. Was liegt da näher als ein Lied anzustimmen, in das sie fröhlich mit einstimmt. Im nächsten Zimmer geht es Bebelinchen einfach nur darum, eine dicke Portion Zuwendung zu schenken. Einfühlsam streichelt sie dem alten Herrn über die Hand. Im dritten Zimmer läuft der Fernseher. "Aber ihr seid auch schön", begrüßt die Seniorin die lustigen Gäste. Nur zu gerne lässt sie sich zu einer kleinen Jonglage mit bunten Tüchern überreden.
Genau dieser Moment ist wichtig und schön
Auch wenn die gute Stimmung bei den demenziell erkrankten Menschen vielleicht nur kurz anhalte, tue sie auf jeden Fall der Seele gut, macht Elke Andris deutlich. "Für die Menschen ist es wichtig und schön, dass sie genau diesen Moment erleben." Mit viel Intuition und Einfühlungsvermögen schaffen es die "Gaganauten" in kürzester Zeit, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. "Der Weg dazu ist das Gefühl, einer der besten Wege überhaupt", weiß Elke Andris.
Von: Claudia Wörner, erstellt am 29.04.2010